Agrochemische Adjuvantien: Wie wählt man den richtigen Typ für maximale Wirksamkeit von Pestiziden aus
Die richtige Wahl von Adjuvantien kann die Wirksamkeit von Pestizidformulierungen entscheidend beeinflussen. Wie wählt man den passenden Typ für Ihre Anwendung aus und vermeidet Wirksamkeitsverluste oder Schäden an den Kulturen?
Foto: Dibakar Roy / Unsplash
Pestizidformulierungen verlassen sich häufig auf Adjuvantien, die die Eigenschaften der Wirkstoffe verbessern – von besserer Benetzung und Haftung bis hin zu erhöhter Widerstandsfähigkeit gegen Abwaschen durch Regen. Die Wahl des falschen Typs kann jedoch zu ungleichmäßiger Verteilung, verringerter Wirksamkeit oder sogar Phytotoxizität führen. In diesem Artikel konzentrieren wir uns auf die wichtigsten Parameter, die bei der Auswahl von Adjuvantien berücksichtigt werden müssen, und darauf, wie deren Eigenschaften richtig mit den Anforderungen einer bestimmten Kulturpflanze und der Applikationstechnik kombiniert werden können. Praktische Tipps helfen Ihnen, die Kosten zu optimieren und gleichzeitig die Ergebnisse des Pflanzenschutzes zu maximieren.
Was sind agrochemische Adjuvantien und warum sind sie entscheidend für die Wirksamkeit von Pestiziden
Agrochemische Adjuvantien sind spezielle Substanzen, die Pestizidformulierungen oder Applikationsmischungen zugesetzt werden, um deren physikalisch-chemische Eigenschaften und damit auch die biologische Wirksamkeit zu verbessern. Ihre Aufgabe besteht darin, Prozesse wie Benetzbarkeit, Penetration, Adhäsion oder Verdunstung der Wirkstoffe zu optimieren. Ohne richtig ausgewählte Adjuvantien kann es zu Verschwendung von Pestiziden, verringerter Wirksamkeit oder sogar zu Schäden an den Zielkulturen kommen. Typische Kategorien von Adjuvantien sind Netzmittel, Penetrationsmittel, Haftmittel, Schaumbildner, Entschäumer, pH-Stabilisatoren oder Substanzen, die die Regenfestigkeit erhöhen.
Die Auswahl des richtigen Adjuvanstyps hängt von mehreren Faktoren ab: der Art des Pestizids (Herbizid, Fungizid, Insektizid), der Zielkultur, der Applikationstechnologie (Sprühgerät, Luftapplikation) und den Umgebungsbedingungen (Temperatur, Feuchtigkeit, Wind). Beispielsweise sind für systemische Herbizide Penetrationsadjuvantien entscheidend, die den Eintritt des Wirkstoffs in das Pflanzengewebe erleichtern, während für Kontaktfungizide Netzmittel und Haftmittel wichtiger sind, die eine gleichmäßige Bedeckung der Blattoberfläche gewährleisten. Die richtige Kombination von Adjuvantien kann die Wirksamkeit eines Pestizids um bis zu 30–50 % steigern, was sich direkt in Kosteneinsparungen und einer Verringerung der Umweltbelastung niederschlägt.
Haupttypen von Adjuvantien und deren spezifische Anwendung in der landwirtschaftlichen Praxis
Zu den am häufigsten verwendeten Adjuvantien gehören Netzmittel, die die Oberflächenspannung des Sprühnebels verringern und dessen Verteilung auf dem Blatt verbessern. Typische Vertreter sind Tenside auf Basis von Alkoholethoxylaten oder Organosilikonen, die bereits in niedrigen Konzentrationen (0,01–0,1 % in der Applikationsmischung) wirksam sind. Zur Verbesserung der Penetration von Wirkstoffen werden ölige Adjuvantien eingesetzt, beispielsweise methylierte Pflanzenöle oder Mineralöle, die die Kutikula des Blattes aufbrechen und das Eindringen systemischer Pestizide erleichtern. Diese Adjuvantien sind insbesondere bei Herbiziden mit geringer Mobilität in der Pflanze unerlässlich.
Eine weitere wichtige Gruppe sind Adhäsive, die die Widerstandsfähigkeit der Spritzbrühe gegen Abwaschen durch Regen erhöhen. Hier werden häufig Polymere wie Polyvinylalkohol oder Acrylate eingesetzt, die auf der Blattoberfläche einen schützenden Film bilden. Zur Regulierung des pH-Werts der Anwendungsmischung werden Puffer zugesetzt, die die Stabilität der Wirkstoffe gewährleisten – beispielsweise Zitronensäure oder Natriumphosphat. Nicht zuletzt sind Entschäumer wichtig, die die Schaumbildung beim Mischen der Mischung verhindern und so eine gleichmäßige Dosierung sicherstellen. Die Auswahl des konkreten Adjuvans-Typs sollte auf den Empfehlungen des Pestizidherstellers und überprüften Feldtests basieren.
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Wie wählt man den richtigen Adjuvans-Lieferanten aus: Kriterien für professionelle Einkäufer
Bei der Auswahl eines Lieferanten für agrochemische Adjuvantien ist es entscheidend, mehrere Aspekte zu bewerten, die die Qualität, Zuverlässigkeit und wirtschaftliche Effizienz des Einkaufs beeinflussen. Das erste Kriterium ist die technische Unterstützung und fachkundige Beratung. Ein seriöser Lieferant sollte detaillierte technische Datenblätter mit Informationen zur Zusammensetzung, empfohlenen Dosierung, Kompatibilität mit Pestiziden und Ergebnissen von Feldversuchen bereitstellen. Wichtig ist auch zu prüfen, ob der Lieferant über ein Labor verfügt, um Proben zu testen und maßgeschneiderte neue Formulierungen zu entwickeln.
Ein weiterer Faktor ist die Einhaltung gesetzlicher Anforderungen, insbesondere der REACH- und CLP/GHS-Verordnungen. Adjuvantien müssen ordnungsgemäß registriert und gemäß den geltenden Vorschriften gekennzeichnet sein, einschließlich Sicherheitsdatenblätter und Etiketten mit Gefahrenpiktogrammen. Ein qualitativ hochwertiger Lieferant garantiert auch eine stabile Produktqualität, was durch Zertifikate nach geltenden Normen oder langfristige Zusammenarbeit mit renommierten Herstellern überprüft werden kann. Der Preis sollte nicht das einzige Entscheidungskriterium sein – ein niedriger Preis kann Kompromisse bei der Qualität der Rohstoffe oder unzureichende technische Unterstützung bedeuten. Ideal ist die Wahl eines Lieferanten mit flexiblem Ansatz, der Probenahme, Tests und Anpassungen der Produkte an die spezifischen Bedürfnisse des Kunden ermöglicht.
Praktische Tipps für die Prüfung und Optimierung von Adjuvantien unter Feldbedingungen
Vor dem Einsatz eines neuen Adjuvans im vollen Betrieb ist es unerlässlich, Feldversuche durchzuführen, um dessen Wirksamkeit und Kompatibilität mit den verwendeten Pestiziden zu überprüfen. Grundlage ist die Auswahl einer repräsentativen Fläche mit homogenen Bedingungen (gleiche Sorte, Wachstumsphase, Bodentyp) und die Anwendung der getesteten Mischungen unter Standardbedingungen. Es wird empfohlen, mehrere Varianten von Adjuvantien in gleicher Dosierung zu vergleichen und wichtige Parameter zu beobachten: Blattflächenbedeckung, Regenabwaschbeständigkeit, Penetrationsgeschwindigkeit und biologische Wirksamkeit gegen den Zielschädling oder das Unkraut.
Für eine objektive Bewertung ist es ratsam, eine visuelle Beurteilung (z. B. Messung der Blattbedeckung mit fluoreszierenden Farbstoffen) oder quantitative Methoden wie die Bestimmung von Wirkstoffrückständen in pflanzlichem Gewebe zu verwenden. Ebenso wichtig ist die Überwachung möglicher phytotoxischer Effekte, die sich durch Vergilbung, Nekrosen oder Blattdeformationen äußern können. Die Testergebnisse sollten dokumentiert und mit einer Kontrollvariante ohne Adjuvans verglichen werden. Auf Basis dieser Daten lässt sich die Dosierung und Kombination von Adjuvantien für die jeweiligen Bedingungen optimieren. Für eine langfristige Überwachung der Wirksamkeit empfiehlt sich die Einführung eines Monitoringsystems, das die Bewertung des Einflusses von Adjuvantien auf Ertrag und Qualität der Ernte ermöglicht.
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Einfluss physikalisch-chemischer Eigenschaften von Adjuvantien auf die Penetration und Verteilung von Pestiziden
Die Wirksamkeit einer Pestizidanwendung hängt nicht nur vom Wirkstoff ab, sondern auch von der Fähigkeit des Adjuvans, die physikalischen Eigenschaften der Spritzbrühe zu modifizieren. Eine Schlüsselrolle spielt die Oberflächenspannung, die Adjuvantien im Vergleich zu reinem Wasser um 50–70 % reduzieren. Dadurch verbessert sich die Benetzbarkeit der Blattoberfläche, insbesondere bei wachsartigen oder behaarten Oberflächen, wo Tropfen sonst abperlen oder ablaufen würden. Für eine optimale Penetration ist auch die Viskosität entscheidend – zu niedrige Viskosität führt zu schneller Verdunstung, zu hohe verschlechtert die Verteilung der Tropfen. Ein ideales Adjuvans sollte die Viskosität im Bereich von 1,5–3 mPa·s bei 20 °C halten, um eine gleichmäßige Abdeckung der Zielfläche zu gewährleisten.
Ein weiterer kritischer Parameter ist der Trübungspunkt (Cloud Point), der die Temperaturstabilität des Adjuvans in der wässrigen Phase bestimmt. Bei nichtionischen Tensiden, die häufig in der Agrochemie eingesetzt werden, liegt der Trübungspunkt zwischen 40 und 70 °C. Bei Überschreitung dieser Temperatur kommt es zur Phasentrennung, was die Wirksamkeit verringert und zu Verstopfungen der Düsen führen kann. Für heiße Klimabedingungen werden daher Adjuvantien mit höherem Trübungspunkt oder speziellen Stabilisatoren empfohlen. Wichtig ist auch, den pH-Wert der Spritzbrühe zu berücksichtigen – einige Adjuvantien (z. B. Organosilikone) sind empfindlich gegenüber sauren Bedingungen und können degradieren, wodurch ihre Fähigkeit, die Oberflächenspannung zu reduzieren, beeinträchtigt wird.
Kompatibilität von Adjuvantien mit Pestizidformulierungen und anderen Agrochemikalien
Bei der Auswahl eines Adjuvans ist es unerlässlich, dessen Kompatibilität nicht nur mit dem Pestizid, sondern auch mit weiteren Komponenten der Tankmischung, wie Düngemitteln, mikrobiellen Präparaten oder anderen Adjuvantien, zu überprüfen. Einige Kombinationen können zu unerwünschten chemischen Reaktionen führen, wie Ausfällungen, Gelbildung oder Inaktivierung des Wirkstoffs. Beispielsweise können anionische Tenside mit kationischen Pestiziden (z. B. einigen Herbiziden auf Glyphosat-Basis) reagieren und unlösliche Komplexe bilden. Vor dem Mischen ist es daher ratsam, einen einfachen Kompatibilitätstest in kleinem Volumen durchzuführen – wenn nach 24 Stunden keine Trübung, Sedimentation oder Farbveränderung auftritt, kann die Mischung als stabil angesehen werden.
Besondere Aufmerksamkeit erfordern Adjuvantien, die Öle oder organische Lösungsmittel enthalten, da diese die Struktur bestimmter Pestizidformulierungen, insbesondere Suspensionskonzentrate (SC) oder emulgierbare Konzentrate (EC), stören können. Bei diesen Formulierungen besteht das Risiko der Koaleszenz von Tropfen oder der Phasentrennung, was zu einem Wirkungsverlust und einer ungleichmäßigen Bedeckung führt. Um die Risiken zu minimieren, wird empfohlen, die Reihenfolge der Zugabe der Komponenten in den Tank einzuhalten: zuerst Wasser, dann das Adjuvans, anschließend das Pestizid und zuletzt weitere Zusätze. Dieses Vorgehen gewährleistet eine gleichmäßige Verteilung und Stabilität der Mischung während der gesamten Anwendung.
Ökologische und regulatorische Aspekte bei der Auswahl von Adjuvantien: Was moderne Produkte erfüllen müssen
Die Auswahl von Adjuvantien kann heute nicht mehr allein unter dem Gesichtspunkt der Wirksamkeit betrachtet werden – entscheidend sind auch ökologische und regulatorische Anforderungen. In der Europäischen Union müssen alle Adjuvantien die REACH-Verordnung erfüllen, die die Sicherheit für Mensch und Umwelt gewährleistet. Dazu gehören die Bewertung von Toxizität, biologischer Abbaubarkeit und Bioakkumulationspotenzial. Beispielsweise sind Adjuvantien auf Basis von Alkylphenolethoxylaten (APEO) in der EU aufgrund ihrer Persistenz und endokrinen Wirkung verboten, obwohl sie früher aufgrund ihrer hervorragenden Benetzungseigenschaften weit verbreitet waren. Moderne Alternativen wie Fettalkoholethoxylate oder Fettsäureester bieten eine vergleichbare Wirksamkeit bei geringerem ökologischem Fußabdruck.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist der Einfluss von Adjuvantien auf Pestizidrückstände in Boden und Gewässern. Einige Adjuvantien können die Mobilität von Pestiziden erhöhen, was zu deren Auswaschung in das Grundwasser führt. Um dieses Risiko zu minimieren, werden Adjuvantien mit geringer Affinität zu Bodenpartikeln und hoher biologischer Abbaubarkeit empfohlen. Zertifizierungen wie „Eco-label“ oder „Green Chemistry“ können als Orientierungshilfe für die Umweltverträglichkeit dienen, obwohl sie für agrochemische Adjuvantien nicht verpflichtend sind. Bei der Auswahl eines Lieferanten ist es daher ratsam, Dokumentation anzufordern, die die Konformität mit geltenden Umweltstandards bestätigt, sowie transparente Informationen über die Zusammensetzung des Produkts.
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