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Biologisch abbaubare Tenside in der Agrochemie:
Nachhaltigkeit 12. 7. 2026 Redakce GCG Chemicals

Biologisch abbaubare Tenside in der Agrochemie:

Wie traditionelle Tenside in Pestiziden durch nachhaltige Alternativen ersetzen? Biologisch abbaubare Lösungen schonen die Umwelt ohne Wirkungsverlust.

Biologisch abbaubare Tenside in der Agrarchemie: Wie traditionelle Additive durch umweltfreundlichere Alternativen ersetzt werden können

Foto: Dan Meyers / Unsplash

Die agrochemische Industrie steht seit langem unter Druck, die Umweltbelastung zu reduzieren – nicht nur bei den Wirkstoffen von Pestiziden, sondern auch bei Hilfsstoffen wie Tensiden und Adjuvantien. Traditionelle synthetische Tenside sind zwar wirksam, weisen jedoch oft eine geringe biologische Abbaubarkeit auf und können sich im Boden oder in Gewässern anreichern. Glücklicherweise gibt es umweltfreundlichere Alternativen: biologisch abbaubare Tenside auf Basis von Pflanzenölen, Zuckern oder mikrobiellen Fermentationsprodukten. Diese Substanzen erfüllen nicht nur strenge ökologische Anforderungen, sondern bieten in vielen Fällen auch eine bessere Kompatibilität mit biologischen Systemen. Wie wählt man sie richtig aus und integriert sie in Formulierungen, ohne dass die Wirksamkeit verloren geht?

Warum nach Alternativen zu herkömmlichen Tensiden in der Agrarchemie suchen?

Traditionelle Tenside wie Alkylphenolethoxylate (APEO) oder lineare Alkylbenzolsulfonate (LAS) zählen zu den am häufigsten verwendeten Additiven in agrochemischen Formulierungen dank ihrer Wirksamkeit und ihres niedrigen Preises. Ihre langfristigen Umweltauswirkungen führen jedoch zu einem wachsenden Druck seitens der Regulierungsbehörden und Kunden. Diese Substanzen weisen oft eine geringe biologische Abbaubarkeit auf, reichern sich im Boden und in Gewässern an und können Ökosysteme stören. Beispielsweise werden APEO mit endokrinen Disruptoren in Verbindung gebracht, die die Fortpflanzungsfähigkeit von Wasserorganismen beeinträchtigen. Gemäß der REACH- und CLP-Verordnung werden einige dieser Substanzen schrittweise eingeschränkt oder verboten, was die Hersteller dazu zwingt, umweltfreundlichere Alternativen zu suchen.

Neben den regulatorischen Anforderungen steigt auch die Nachfrage nach nachhaltigen Lösungen seitens der Landwirte und Lebensmittelverarbeiter. Biologisch abbaubare Tenside reduzieren nicht nur die Umweltbelastung, sondern verbessern oft auch die Kompatibilität mit biologischen Präparaten wie Biopestiziden oder mikrobiellen Inokulanten. Ihre Verwendung kann somit zur Gesamtwirksamkeit agrochemischer Anwendungen beitragen, ohne dass unerwünschte Rückstände im Boden oder in den Kulturen entstehen. Der Übergang zu umweltfreundlicheren Alternativen ist daher ein logischer Schritt in Richtung nachhaltigerer Landwirtschaft.

Wesentliche Eigenschaften biologisch abbaubarer Tenside für agrochemische Anwendungen

Biologisch abbaubare Tenside müssen mehrere kritische Anforderungen erfüllen, um für den Einsatz in der Agrochemie geeignet zu sein. Die erste davon ist eine schnelle und vollständige Abbaubarkeit in der natürlichen Umwelt, idealerweise gemäß den OECD-Standards für die Prüfung der biologischen Abbaubarkeit. Das bedeutet, dass sich die Substanz innerhalb weniger Wochen bis Monate in unschädliche Verbindungen (Wasser, Kohlendioxid, Mineralsalze) zersetzen sollte. Ein weiterer wichtiger Parameter ist die geringe Toxizität für Nichtzielorganismen wie Bestäuber, Bodenmikroorganismen oder Wasserfauna. Tenside sollten auch das Pflanzenwachstum oder die Bodenqualität nicht negativ beeinflussen.

In agrochemischen Formulierungen spielen auch technische Eigenschaften wie Benetzbarkeit, Penetration in pflanzliches Gewebe oder Emulsionsstabilität eine Schlüsselrolle. Biologisch abbaubare Tenside auf Basis von Zuckeralkoholen (z. B. Alkylpolyglucoside) oder Fettsäuren (z. B. Sulfonat-Methylester) zeigen oft eine vergleichbare oder sogar bessere Wirksamkeit als herkömmliche synthetische Alternativen. Wichtig ist auch die Bewertung der Kompatibilität mit weiteren Formulierungsbestandteilen wie Wirkstoffen von Pestiziden, Düngemitteln oder Adjuvantien. Die richtige Wahl des Tensids kann die Verteilung und Absorption der Wirkstoffe deutlich verbessern, wodurch die erforderliche Dosierung reduziert und die Effizienz der Anwendung gesteigert wird.

Schlüsseleigenschaften biologisch abbaubarer Tenside für agrochemische Anwendungen

Foto: Irewolede / Unsplash

Praktische Beispiele für biologisch abbaubare Tenside und deren Einsatz

Zu den vielversprechendsten biologisch abbaubaren Tensiden für die Agrochemie gehören Alkylpolyglucoside (APG), die aus nachwachsenden Rohstoffen wie Glukose und Fettalkoholen aus Pflanzenölen hergestellt werden. APG weisen eine hervorragende Benetzbarkeit und geringe Toxizität auf, was sie ideal für den Einsatz in Herbiziden, Fungiziden oder Insektiziden macht. Eine weitere Gruppe sind Methylestersulfonate (MES), die sich durch hohe Beständigkeit gegen hartes Wasser und gute biologische Abbaubarkeit auszeichnen. Diese Tenside werden häufig in Kombination mit anderen Additiven eingesetzt, um die Penetration der Wirkstoffe in die Pflanzen zu verbessern.

Für Formulierungen, die eine hohe Emulsionsstabilität erfordern, haben sich Tenside auf Basis von Polysorbaten oder Fettsäureestern mit Polyglykolen bewährt. Diese Substanzen sind umweltfreundlich und bieten gleichzeitig langfristige Stabilität auch bei extremen Temperaturen. Im Falle von Biopestiziden oder mikrobiellen Präparaten werden häufig Tenside auf Basis natürlicher Öle (z. B. Lecithin oder Saponine) gewählt, die lebende Mikroorganismen nicht schädigen und gleichzeitig deren Verteilung auf der Pflanzenoberfläche verbessern. Die Auswahl eines bestimmten Tensids hängt von der Art der Formulierung, der Zielkultur und den Anwendungsbedingungen ab, sollte jedoch immer durch Laboruntersuchungen und Feldversuche unterstützt werden.

Wie Sie biologisch abbaubare Tenside korrekt in agrochemische Formulierungen implementieren

Der Übergang zu biologisch abbaubaren Tensiden erfordert eine sorgfältige Planung und Prüfung, um eine Verringerung der Wirksamkeit des Endprodukts zu vermeiden. Der erste Schritt ist die Analyse der bestehenden Formulierung und die Identifizierung kritischer Parameter wie Stabilität, Viskosität oder Löslichkeit der Wirkstoffe. Anschließend werden Laboruntersuchungen mit den ausgewählten biologisch abbaubaren Tensiden durchgeführt, bei denen deren Einfluss auf diese Parameter überwacht wird. Wichtig ist auch die Überprüfung der Kompatibilität mit anderen Komponenten wie Konservierungsmitteln, Stabilisatoren oder Farbstoffen, die die Gesamtstabilität der Mischung beeinflussen können.

Nach erfolgreichen Labortests folgen Feldversuche, die die Wirksamkeit der neuen Formulierung unter realen Bedingungen überprüfen. Dabei wird nicht nur die biologische Wirksamkeit beobachtet, sondern auch mögliche Nebenwirkungen wie Phytotoxizität oder Rückstände im Boden. Hersteller sollten mit Experten für Formulierungen und analytischen Laboren zusammenarbeiten, um sicherzustellen, dass das neue Produkt alle Anforderungen an Wirksamkeit, Sicherheit und Nachhaltigkeit erfüllt. Ein wichtiger Bestandteil des Prozesses ist auch die Schulung des Anwendungspersonals, das mit den Unterschieden im Verhalten von biologisch abbaubaren Tensiden im Vergleich zu herkömmlichen Additiven vertraut sein muss, beispielsweise in den Bereichen Lagerung oder Mischung mit anderen Präparaten.

Wie Sie biologisch abbaubare Tenside korrekt in agrochemische Formulierungen implementieren

Foto: no one cares / Unsplash

Einfluss biologisch abbaubarer Tenside auf die Wirksamkeit von Pestizidformulierungen

Biologisch abbaubare Tenside sind nicht nur ein ökologischer Ersatz, sondern können die Leistung agrochemischer Präparate direkt verbessern. Ihre Struktur ermöglicht oft eine bessere Benetzbarkeit und Penetration der Wirkstoffe in das pflanzliche Gewebe, was für systemische Pestizide entscheidend ist. Beispielsweise zeigen Alkylpolyglucoside (APG) im Vergleich zu herkömmlichen Ethoxylaten eine geringere Oberflächenspannung bei gleichen Konzentrationen, was zu einer gleichmäßigeren Bedeckung der Blattoberfläche und einer effizienteren Aufnahme der Wirkstoffe führt. Studien zeigen, dass bei der Verwendung von APG in herbiziden Formulierungen eine vergleichbare Wirksamkeit bei einer Reduzierung der Wirkstoffdosis um 10–15 % erreicht werden kann, ohne dass der Wasser- oder Energieverbrauch bei der Anwendung steigt.

Ein weiterer Aspekt ist die Kompatibilität mit biologisch aktiven Substanzen. Biologisch abbaubare Tenside auf Basis natürlicher Fettsäuren oder Zuckerderivaten weisen eine geringere Phytotoxizität auf als synthetische Alternativen, was besonders bei empfindlichen Kulturen wie Weinreben oder Obst von Vorteil ist. Bei Feldversuchen wurde nachgewiesen, dass Formulierungen mit Biosurfactants das Risiko von Blattverbrennungen im Vergleich zu Formulierungen mit Alkylphenolethoxylaten um bis zu 40 % reduzieren. Dies ermöglicht eine flexiblere zeitliche Planung der Anwendungen auch unter weniger günstigen Wetterbedingungen, ohne dass die Kulturpflanze beschädigt wird.

Regulatorische und wirtschaftliche Aspekte des Übergangs zu biologisch abbaubaren Tensiden

Der Übergang zu biologisch abbaubaren Tensiden in der Agrochemie ist nicht nur eine technische, sondern auch eine regulatorische Herausforderung. Gemäß der REACH-Verordnung werden einige herkömmliche Tenside, wie beispielsweise Nonylphenolethoxylate, aufgrund ihrer Persistenz in der Umwelt und endokrinen Wirkungen schrittweise eingeschränkt oder verboten. Biologisch abbaubare Alternativen erfüllen hingegen oft die Kriterien für ökologische Zertifizierungen wie das EU-Ecolabel oder den ökologischen Landbau, was neue Märkte eröffnen und die Wettbewerbsfähigkeit der Hersteller steigern kann. Wichtig ist jedoch, zu überprüfen, ob das jeweilige biologisch abbaubare Tensid die Anforderungen an einen schnellen Abbau im Boden und in der aquatischen Umwelt erfüllt, und zwar durch standardisierte Prüfmethoden.

Aus wirtschaftlicher Sicht sind biologisch abbaubare Tenside oft teurer als ihre synthetischen Gegenstücke, aber die Gesamtkosten können durch reduzierte Dosierungen der Wirkstoffe oder geringere Gebühren für Umweltbelastungen kompensiert werden. In Deutschland und Frankreich gibt es beispielsweise Steuererleichterungen für Hersteller, die Rohstoffe mit zertifizierter biologischer Abbaubarkeit verwenden. Langfristig sinken auch die Kosten für die Entsorgung von Pestizidrückständen und die Reinigung der Applikationstechnik, da biologisch abbaubare Tenside keine Rückstände hinterlassen, die eine spezielle Abwasseraufbereitung erfordern würden. Die Investition in die Entwicklung neuer Formulierungen kann sich somit innerhalb von 3–5 Jahren auszahlen, insbesondere für große agrochemische Unternehmen.

Testung und Validierung biologisch abbaubarer Tenside unter realen Bedingungen

Vor der Einführung biologisch abbaubarer Tenside in kommerzielle agrochemische Formulierungen ist eine umfassende Testung unter Labor- und Feldbedingungen unerlässlich. Der erste Schritt besteht in der Überprüfung der physikalisch-chemischen Eigenschaften, wie Löslichkeit, Emulsionsstabilität und Kompatibilität mit weiteren Formulierungsbestandteilen. Beispielsweise können Tenside auf Basis von Fettsäureestern eine eingeschränkte Stabilität in sauren oder alkalischen Medien aufweisen, was bei der Entwicklung von Konzentraten berücksichtigt werden muss. Laboruntersuchungen sollten auch die Toxizität gegenüber Nichtzielorganismen wie Bienen, Bodenmikroorganismen oder aquatischen Wirbellosen bewerten, um unerwünschte ökologische Auswirkungen zu vermeiden.

Feldtests sind entscheidend, um die Wirksamkeit unter realen Bedingungen zu überprüfen. Es wird empfohlen, vergleichende Studien auf verschiedenen Bodentypen und Kulturen mit unterschiedlichen Dosierungen und Applikationstechniken durchzuführen. Wichtig ist, nicht nur die sofortige Wirksamkeit gegen Zielschädlinge zu beobachten, sondern auch langfristige Effekte wie die Resistenz von Unkräutern oder den Einfluss auf die Bodenmikroflora. Beispielsweise wurde bei der Testung von Adjuvantien auf Lecithinbasis festgestellt, dass sie zwar die Wirksamkeit von Herbiziden erhöhen, gleichzeitig aber das Wachstum bestimmter pathogener Pilze im Boden fördern können. Solche Erkenntnisse ermöglichen die Optimierung der Formulierungszusammensetzung und die Minimierung von Risiken für landwirtschaftliche Ökosysteme.

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