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Chemische Additive für die Erdöl- und Erdgasförderung: Auswahl des richtigen Typs nach geologischen Bedingungen
Ratgeber 10. 8. 2026 Redakce GCG Chemicals

Chemische Additive für die Erdöl- und Erdgasförderung: Auswahl des richtigen Typs nach geologischen Bedingungen

Die Wahl der richtigen chemischen Additive kann die Effizienz der Erdöl- und Erdgasförderung entscheidend beeinflussen. Wie lässt sich deren Zusammensetzung an geologische Bedingungen, Druck oder Temperatur im Vorkommen anpassen? Praktischer Vergleich der Typen und ihrer Eigenschaften.

Chemische Additive für die Öl- und Gasförderung: Auswahl des richtigen Typs nach geologischen Bedingungen

Foto: Maria Lupan / Unsplash

Die Förderung von Öl und Erdgas ist ein komplexer Prozess, bei dem chemische Additive eine Schlüsselrolle spielen – von der Erhöhung der Gesteinsdurchlässigkeit bis hin zur Verhinderung von Korrosion an Anlagen. Ihre Wirksamkeit hängt jedoch von der richtigen Auswahl entsprechend den spezifischen Lagerstättenbedingungen ab, wie Temperatur, Druck, Gesteinszusammensetzung oder das Vorhandensein aggressiver Substanzen. Beispielsweise müssen Korrosionsinhibitoren hohen Temperaturen in Tiefbohrungen standhalten, während Dispergiermittel an die Viskosität des Fördergemischs angepasst werden. Welche Additivtypen eignen sich für verschiedene geologische Szenarien, und wie lassen sich ihre negativen Auswirkungen auf die Umwelt minimieren?

Einleitung: Die Rolle chemischer Additive in der Öl- und Gasförderung

Chemische Additive spielen in der Erdöl- und Erdgasförderung eine Schlüsselrolle, da sie die Optimierung von Förderprozessen ermöglichen, die Ausbeute von Lagerstätten erhöhen und betriebliche Risiken minimieren. Ihre Auswahl hängt von den geologischen Bedingungen, der Art der Lagerstätte, der Zusammensetzung des geförderten Rohstoffs und den technologischen Anforderungen des Förderunternehmens ab. Richtig gewählte Additive können beispielsweise die Viskosität des Erdöls verringern, die Bildung von Ablagerungen, Korrosion oder Schaumbildung verhindern und so die Lebensdauer der Anlagen verlängern sowie die Effizienz der Förderung steigern.

In der Praxis werden Additive in mehrere grundlegende Kategorien unterteilt: Korrosions- und Ablagerungsinhibitoren, Tenside zur Einstellung der Oberflächenspannung, Demulgatoren zur Trennung von Wasser und Öl, Biozide gegen mikrobielle Kontamination sowie Substanzen zur Regulierung der Rheologie von Bohrspülungen. Jede dieser Gruppen besitzt spezifische Eigenschaften, die an die konkreten Bedingungen der Bohrung, wie Temperatur, Druck, Salinität oder das Vorhandensein aggressiver Gase (z. B. Schwefelwasserstoff), angepasst werden müssen.

Korrosions- und Ablagerungsinhibitoren: Schutz der Anlagen unter anspruchsvollen Bedingungen

Korrosion und die Bildung anorganischer Ablagerungen (z. B. Carbonate, Sulfate oder Sulfide) zählen zu den häufigsten Problemen in der Förderindustrie. Diese Erscheinungen führen zu Schäden an Rohrleitungen, Pumpen und anderen Komponenten, was die Wartungskosten erhöht und ungeplante Stillstände verursachen kann. Korrosions- und Ablagerungsinhibitoren wirken nach dem Prinzip des chemischen Oberflächenschutzes oder der Blockierung von Kristallisationszentren und verhindern so die Entstehung unerwünschter Schichten.

Die Auswahl eines geeigneten Inhibitors hängt von der Art der Korrosion (z. B. Sauerstoff-, mikrobiologische oder galvanische Korrosion) und der Zusammensetzung der Lagerstättenflüssigkeiten ab. Für hochsalzhaltige Umgebungen werden häufig organische Inhibitoren auf Basis von Imidazolinen oder Phosphonaten verwendet, die auch bei Temperaturen über 150 °C wirksam sind. Bei Anwesenheit von Schwefelwasserstoff müssen Substanzen gewählt werden, die gegenüber Sulfidierung beständig sind, beispielsweise spezielle Amine oder Thiole. Wichtig ist auch die Kompatibilität mit anderen Additiven zu berücksichtigen, um unerwünschte Reaktionen zu vermeiden.

Korrosions- und Ablagerungsinhibitoren: Schutz von Anlagen unter extremen Bedingungen

Foto: Natalia Grela / Unsplash

Tenside und Demulgatoren: Verbesserung der Separation und Reduzierung von Ölverlusten

Tenside und Demulgatoren sind essenziell für die effiziente Trennung von Öl- und Wasseremulsionen, die während der Förderung entstehen. Diese Substanzen verringern die Grenzflächenspannung zwischen den Phasen, beschleunigen dadurch die Koaleszenz der Wassertröpfchen und verbessern die Qualität des geförderten Öls. Ihre Wirksamkeit ist besonders kritisch in Lagerstätten mit hohem Wassergehalt oder beim Einsatz von Enhanced-Oil-Recovery-Technologien (EOR), wo es zu einer intensiven Vermischung der Phasen kommt.

Bei der Auswahl von Tensiden müssen die Salinität und der pH-Wert des Lagerstättenwassers, die Temperatur und der Druck im System berücksichtigt werden. Für Niedrigtemperaturanwendungen (bis 60 °C) werden häufig nichtionische Tenside auf Basis ethoxylierter Alkohole eingesetzt, während für extreme Bedingungen (über 120 °C) anionische Tenside mit höherer Temperaturstabilität besser geeignet sind. Demulgatoren werden je nach Emulsionstyp (Wasser-in-Öl oder Öl-in-Wasser) und der gewünschten Separationsgeschwindigkeit ausgewählt. Wichtig ist auch, ihre biologische Abbaubarkeit und Toxizität zu überprüfen, insbesondere in Regionen mit strengen Umweltvorschriften.

Biozide und Additive zur Rheologieanpassung: Lösungen für mikrobiologische und technologische Herausforderungen

Mikrobielle Kontamination stellt ein ernstes Risiko für Förderanlagen dar, da Bakterien (z. B. sulfatreduzierende Bakterien) Korrosionsschäden, Verstopfungen von Rohrleitungen und den Abbau von Additiven verursachen können. Biozide lösen diese Probleme durch die Hemmung des Mikroorganismenwachstums, wobei ihre Wirksamkeit vom Bakterientyp, der Temperatur und der chemischen Zusammensetzung der Lagerstättenflüssigkeiten abhängt. Am häufigsten werden oxidative Biozide (z. B. Hypochlorite) oder nicht-oxidative Substanzen (z. B. Glutaraldehyd) eingesetzt, die eine längerfristige Wirkung haben.

Reologie-Modifizierungsadditive wie Verdickungsmittel oder Reibungsminderer sind entscheidend für die Optimierung des Flusses von Bohrflüssigkeiten und Fördermedien. Hochviskose Flüssigkeiten können den Transport fester Partikel während des Bohrens verbessern, während niedrigviskose Gemische den Energiebedarf für das Pumpen reduzieren. Die Auswahl dieser Additive hängt von den gewünschten rheologischen Eigenschaften, der Temperaturstabilität und der Kompatibilität mit anderen Chemikalien ab. In der Praxis werden sie häufig mit Korrosionsinhibitoren und Tensiden kombiniert, um eine umfassende Lösung zu erzielen.

Biozide und Reologie-Modifizierungsadditive: Lösungen für mikrobiologische und technologische Herausforderungen

Foto: Brad Weaver / Unsplash

Schaumbildner und Entschäumer: Optimierung von Druck und Durchfluss in Förderbohrungen

In Tiefbohrungen spielt die Steuerung von Druck und Durchfluss eine Schlüsselrolle für die effiziente Förderung von Erdöl und Erdgas. Schaumbildner sind Additive, die die Oberflächenspannung einer Flüssigkeit verringern und die Bildung eines stabilen Schaums ermöglichen. Dieser erhöht das Volumen der Flüssigkeit und damit den Druck im System, was das Herausdrücken des Öls aus porösen Gesteinen erleichtert. Schaumbildner werden häufig in Kombination mit Gasen wie Stickstoff oder Kohlendioxid für die sogenannte Schauminjektion eingesetzt, die die Ausbeute des Vorkommens verbessert. Typische Vertreter sind anionische oder nichtionische Tenside, die mit den hohen Temperaturen und Drücken in Tiefbohrungen kompatibel sein müssen.

Entschäumer hingegen sind unerlässlich, um unerwünschten Schaum zu eliminieren, der bei der Förderung oder Verarbeitung entstehen kann. Übermäßiger Schaum verringert die Effizienz von Separationstanks, erhöht das Risiko des Flüssigkeitstransports in Gasleitungen und kann Schäden an Pumpen verursachen. Entschäumer, häufig auf Silikon- oder Polyetherbasis, zerstören den Schaum, indem sie dessen Stabilität verringern. Die Auswahl des richtigen Typs hängt von der Zusammensetzung des Fördergemischs, der Temperatur und dem Druck ab – beispielsweise sind Silikon-Entschäumer bei hohen Temperaturen wirksam, während Polyether-Varianten besser für Systeme mit hohem Salzgehalt geeignet sind.

Additive zur Viskositätsregulierung: Steuerung des Flusses in verschiedenen geologischen Formationen

Die Viskosität von Förderflüssigkeiten ist ein kritischer Parameter, der den Fluss von Öl oder Gas in unterirdischen Formationen beeinflusst. In geringpermeablen Gesteinen wie Schiefer ist es oft notwendig, die Viskosität des Öls zu verringern, damit es effizient zum Förderbohrloch fließen kann. Dazu dienen Additive auf Lösemittel- oder Tensidbasis, die die intermolekularen Kräfte stören und den Fluss erleichtern. In der Praxis werden beispielsweise aromatische Kohlenwasserstoffe oder Alkohole eingesetzt, die in der Lage sind, Asphaltene und Paraffine zu lösen, welche die Viskosität erhöhen.

Im Gegensatz dazu kann bei der Förderung von Leichtölen oder Erdgas das Problem eine zu niedrige Viskosität sein, die zu einem schnellen Durchfluss und unzureichendem Kontakt mit dem Gestein führt. Hier kommen Verdickungsmittel wie Polymere (z. B. Polyacrylamide) oder natürliche Gele zum Einsatz, die den Strömungswiderstand erhöhen und die Druckverteilung im Lager verbessern. Die Auswahl des Additivs hängt von der Temperatur, dem Druck und der chemischen Zusammensetzung des Lagers ab – Polymere sind in einem breiten Spektrum von Bedingungen wirksam, können jedoch bei hohen Durchflussraten empfindlich gegenüber mechanischer Degradation sein.

Hydratinhibitoren: Prävention der Bildung von Eiskristallen in Gasleitungen

Die Bildung von Hydraten – kristallinen Strukturen aus Wasser und Gas – stellt ein ernsthaftes Risiko für die Förderung und den Transport von Erdgas dar, insbesondere unter kalten Bedingungen oder bei hohen Drücken. Hydrate können Leitungen verstopfen, Anlagen beschädigen und kostspielige Stillstände verursachen. Hydratinhibitoren wie thermodynamische Inhibitoren (z. B. Methanol oder Glykole) senken die Bildungstemperatur von Hydraten und verhindern deren Entstehung. Diese Substanzen werden in den Gasstrom injiziert, und ihre Wirksamkeit hängt von der Konzentration und den Temperaturbedingungen ab.

Neben thermodynamischen Inhibitoren werden auch kinetische Inhibitoren eingesetzt, die das Wachstum von Hydratkristallen verlangsamen, oder Antiagglomerationsmittel, die das Zusammenballen der Kristalle verhindern. Kinetische Inhibitoren, oft auf Basis polymerer Verbindungen, sind bei niedrigeren Konzentrationen wirksam als thermodynamische Inhibitoren, erfordern jedoch eine präzise Dosierung. Die Auswahl des geeigneten Typs hängt von der Gaszusammensetzung, dem Druck und der Temperatur im System ab. In der Praxis werden häufig verschiedene Inhibitortypen kombiniert, um maximalen Schutz bei minimalen Kosten zu erreichen.

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