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Wie wir das Problem mit der Schaumbildung im industriellen Reinigungsprozess lösten: Ein Praxisbeispiel aus der Elektronikfertigung
Aus der Praxis 21. 8. 2026 Redakce GCG Chemicals

Wie wir das Problem mit der Schaumbildung im industriellen Reinigungsprozess lösten: Ein Praxisbeispiel aus der Elektronikfertigung

Übermäßige Schaumbildung im Reinigungsprozess kann die Produktion zum Stillstand bringen und empfindliche Bauteile beschädigen. Wir zeigen, wie wir durch Anpassung der Tensidformulierung dieses Problem bei einem Hersteller elektronischer Komponenten lösten – ohne Kompromisse bei der Reinigungsleistung einzugehen.

Wie wir das Problem mit der Schaumbildung im industriellen Reinigungsprozess lösten: Ein Praxisbeispiel aus der Elektronikfertigung

Foto: PuroClean of Fort Worth / Unsplash

Fertigungslinien für elektronische Bauteile erfordern eine präzise Reinigung, bei der bereits geringe Mengen an Flussmittelrückständen oder Staub zu Fehlfunktionen führen können. Das Problem tritt auf, wenn das Reinigungsmittel übermäßig schäumt – der Schaum verringert nicht nur die Reinigungswirkung, sondern kann auch empfindliche Komponenten beschädigen oder die Düsen der Reinigungsmaschinen blockieren. In diesem Artikel beschreiben wir einen konkreten Fall, bei dem wir bei einem Kunden aus der Elektronikbranche schnell auf kritische Schaumbildung in einem geschlossenen Reinigungssystem reagieren mussten. Die Lösung bestand in der Optimierung der Kombination aus grenzflächenaktiven Substanzen und Antischaumadditiven, die die Reinigungswirkung beibehielt, aber die unerwünschte Schaumbildung eliminierte.

Das Problem der Schaumbildung im Reinigungsprozess: Wie uns ein unerwarteter Saboteur stoppte

Die Herstellung elektronischer Komponenten erfordert eine präzise Reinigung der Oberflächen, da selbst mikroskopische Verunreinigungen zum Ausfall des gesamten Geräts führen können. In unserem Fall handelte es sich um eine Spülstraße, in der Leiterplatten mit einer wässrigen Lösung mit Tensiden gewaschen wurden. Nach einigen Monaten Betrieb trat jedoch übermäßiges Schäumen auf, das den automatisierten Prozess störte: Der Schaum trug Schmutzpartikel zurück auf die Oberfläche der Platten und beeinträchtigte die Effizienz der Trocknung. Das Problem verschlimmerte sich mit steigender Temperatur der Lösung (45–50 °C) und höherer Tensidkonzentration (0,8–1,2 %).

Die Analyse zeigte, dass die Ursache nicht nur in der Formulierung der Reinigungsmittel selbst lag, sondern auch in der Wechselwirkung mit weiteren Faktoren: Wasserhärte (12–15 °dH), Rückstände von Lötpasten und Flussmitteln auf den Platten und sogar mikroskopische Staubpartikel aus der Produktionsumgebung. Zudem sammelte sich der Schaum an kritischen Stellen der Straße, wo Turbulenzen auftraten – beispielsweise an Düsen und Rohrbögen. Es war klar, dass die Lösung umfassend sein und all diese Variablen berücksichtigen musste.

Diagnose: Wie wir die Schlüsselfaktoren der Schaumbildung identifizierten

Der erste Schritt bestand in der labortechnischen Untersuchung von Proben der Reinigungslösungen unter kontrollierten Bedingungen. Wir nutzten Standardmethoden zur Messung der Schaumbildung, wie den Ross-Miles-Test, der die dynamischen Bedingungen im Reinigungsprozess simuliert. Die Ergebnisse bestätigten, dass die Tenside in der Lösung allein nicht übermäßig schäumten – das Problem entstand erst beim Kontakt mit organischen Rückständen aus der Produktion. Interessant war die Erkenntnis, dass der Schaum in Gegenwart von Calcium- und Magnesiumionen aus hartem Wasser stabiler war, die mit einigen Tensiden unlösliche Komplexe bildeten.

Darüber hinaus analysierten wir Proben aus verschiedenen Prozessphasen mittels Gaschromatographie und Massenspektrometrie. Wir stellten fest, dass Rückstände von Flussmittel auf Kolophoniumbasis (Kolophonium) mit anionischen Tensiden unter Bildung eines viskosen Schaums reagierten, der sich nur schwer abbauen ließ. Dieser synergistische Effekt war der Hauptverantwortliche – weder die Tenside allein noch das Kolophonium hätten unter denselben Bedingungen so stark geschäumt. Auf Basis dieser Erkenntnisse schlugen wir gezielte Maßnahmen vor.

Diagnostik: Wie wir die Schlüsselfaktoren der Schaumbildung identifiziert haben

Foto: Toon Lambrechts / Unsplash

Lösung: Optimierung der Rezeptur und der Prozessparameter

Die erste Anpassung bestand im Ersatz eines Teils der anionischen Tenside durch nichtionische, die weniger empfindlich gegenüber Wasserhärte und organischen Verunreinigungen sind. Konkret haben wir den Anteil an Alkylbenzolsulfonaten reduziert und die Konzentration alkoxylierter Fettalkohole erhöht, die eine geringere Neigung zur Bildung stabiler Schäume aufweisen. Wichtig war auch die Zugabe eines Entschäumers auf Basis von Silikonölen in einer Konzentration von 0,05–0,1 %, der effektiv die Oberflächenspannung der Schaumblasen störte.

Neben der Rezepturanpassung haben wir auch die Prozessparameter optimiert. Wir senkten die Temperatur der Waschlösungen auf 38–42 °C, was die kinetische Energie des Systems und damit die Schaumbildung verringerte. Weiterhin passten wir die Durchflussmenge der Lösung an, um Turbulenzen an kritischen Stellen der Anlage zu minimieren. Die Einführung einer kontinuierlichen Schaumüberwachung mittels optischer Sensoren ermöglichte es uns, zeitnah auf mögliche Schwankungen zu reagieren und den Entschäumer automatisch nach aktuellem Bedarf zu dosieren.

Ergebnisse und langfristige Prävention: Wie der Prozess stabil gehalten wird

Nach der Umsetzung der Änderungen reduzierte sich die Schaumbildung um mehr als 80 %, und der Waschprozess wurde stabiler. Den größten Nutzen brachte die kombinierte Lösung – die Rezepturanpassung zusammen mit der Optimierung der Prozessparameter. Wichtig war auch die regelmäßige Reinigung der Anlage von Ablagerungen, die als Keime für die Bildung neuen Schaums dienen könnten. Wir führten eine wöchentliche Spülung des Systems mit einer sauren Lösung (pH 3–4) ein, die Kalkablagerungen und Reste organischer Substanzen auflöste.

Zur langfristigen Prävention haben wir dem Kunden empfohlen, ein Qualitätsmanagementsystem für die Reinigungslösungen einzuführen, einschließlich regelmäßiger Tests der Wasserhärte und der Tensidkonzentration. Darüber hinaus schlugen wir vor, demineralisiertes Wasser zum Nachfüllen des Systems zu verwenden, was das Risiko der Bildung unlöslicher Komplexe deutlich verringerte. Dank dieser Maßnahmen konnte der Prozess auch bei einer Steigerung der Produktionskapazität um 30 % in den folgenden Monaten problemlos ohne Schaumbildung aufrechterhalten werden.

Ergebnisse und langfristige Prävention: Wie der Prozess stabil gehalten wird

Foto: Toon Lambrechts / Unsplash

Einfluss der Wasserqualität auf die Effizienz von Tensiden und die Schaumbildung

Bei der Lösung des Problems mit übermäßiger Schaumbildung im Reinigungsprozess stießen wir auf einen oft übersehenen Faktor – die Qualität des verwendeten Wassers. Die Wasserhärte, also der Gehalt an gelösten Mineralien, insbesondere Calcium- und Magnesiumionen, hat einen entscheidenden Einfluss auf das Verhalten von Tensiden. Diese Ionen reagieren mit anionischen Tensiden unter Bildung unlöslicher Salze, die die Wirksamkeit des Reinigungsmittels verringern und gleichzeitig die Bildung von stabilem Schaum erhöhen. In unserem Fall stellten wir fest, dass bereits eine leicht erhöhte Wasserhärte (über 15 °dH) zu einer deutlichen Zunahme der Schaumbildung führte, obwohl die Tensidkonzentration im optimalen Bereich lag.

Zur Überprüfung führten wir eine Reihe von Tests mit demineralisiertem Wasser durch und verglichen die Ergebnisse mit denen von normalem Leitungswasser. Bei Verwendung von demineralisiertem Wasser verringerte sich das Schaumvolumen um mehr als 40 %, und die Reinigungswirkung verbesserte sich um 25 %, was unsere Hypothese bestätigte. Diese Erkenntnis führte zur Einführung einer Wasseraufbereitung mittels Ionenaustauschern, die unerwünschte Ionen entfernten und das Verhalten der Tenside stabilisierten. Die Wasserqualität wurde somit zu einem Schlüsselparameter für die Prozesskontrolle.

Dynamische Prozessbedingungen: Wie mechanische Belastung die Schaumbildung beeinflusst

Ein weiterer kritischer Faktor, den wir berücksichtigen mussten, waren die dynamischen Bedingungen der Reinigungsprozesse. Strömungsgeschwindigkeit, Turbulenzen und mechanisches Rühren können die Schaumbildung und -stabilität erheblich beeinflussen. In unserem Fall stellten wir fest, dass hohe Düsendrehzahlen und Hochdruckreinigungssysteme eine übermäßige Belüftung der Lösung verursachten, was zu intensiver Schaumbildung führte. Dieser Effekt wurde bei höheren Temperaturen (über 50 °C) verstärkt, da sich die Oberflächenspannung der Flüssigkeit verringert und die Löslichkeit von Luft zunimmt.

Zur Optimierung haben wir die Parameter der Sprühdüsen angepasst und den Druck auf 2,5 bar reduziert, was zu einer gleichmäßigeren Strömungsverteilung und Minimierung von Turbulenzen führte. Darüber hinaus haben wir eine schrittweise Temperaturerhöhung während des Prozesses implementiert, um das plötzliche Freisetzen von gelöster Luft zu vermeiden. Diese Anpassungen reduzierten das Schaumvolumen um 30 % und verbesserten gleichzeitig die Homogenität des Reinigungsprozesses. Es zeigte sich, dass selbst kleine Änderungen der mechanischen Belastung einen entscheidenden Einfluss auf die Stabilität des Systems haben können.

Auswahl von Tensiden: Wie die richtige Kombination Schaumbildung reduziert und die Effizienz steigert

Der letzte Schritt zur Lösung des Problems bestand in der Überarbeitung der Reinigungsmittelrezeptur selbst. Wir konzentrierten uns auf die Auswahl von Tensiden mit geringer Schaumbildung und hoher Entfettungsfähigkeit. Anionische Tenside wie Alkylsulfate oder Alkylbenzolsulfonate bieten zwar eine hervorragende Reinigungswirkung, führen jedoch häufig zu übermäßiger Schaumbildung. Daher ersetzten wir sie teilweise durch nichtionische Tenside, beispielsweise Alkoholethoxylate, die eine geringere Neigung zur Schaumbildung aufweisen und gleichzeitig eine gute Kompatibilität mit hartem Wasser besitzen.

Ein entscheidender Durchbruch war der Einsatz einer Tensidmischung mit unterschiedlichen Längen der Kohlenwasserstoffketten. Kurzkettige Tenside (C8–C10) sorgten für eine schnelle Benetzung der Oberfläche, während langkettige (C12–C14) die Entfettungswirkung verbesserten. Diese Kombination ermöglichte es, die Gesamtkonzentration der Tenside um 15 % zu reduzieren, ohne die Reinigungsleistung zu beeinträchtigen, und gleichzeitig das Schaumvolumen um 50 % zu verringern. Ein wichtiger Parameter war auch der HLB-Wert (hydrophil-lipophile Balance), den wir für die spezifische Art der Verschmutzung in der Elektronikfertigung optimierten.

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