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Qualität von Chemierohstoffen vor dem Kauf prüfen
Praktische Tipps 12. 7. 2026 Redakce GCG Chemicals

Qualität von Chemierohstoffen vor dem Kauf prüfen

Leitfaden zur Überprüfung der Qualität von Chemierohstoffen: Dokumentenkontrolle, Labortests und wichtige Parameter für sichere Produktion.

Wie Sie die Qualität chemischer Rohstoffe vor dem Kauf richtig bewerten: Praktischer Leitfaden für Hersteller

Foto: Julia Koblitz / Unsplash

Die Auswahl hochwertiger chemischer Rohstoffe ist die Grundlage für eine stabile Produktion, die Sicherheit der Mitarbeiter und die endgültige Qualität der Produkte. Schon geringe Abweichungen in den Parametern der Rohstoffe können zu Produktionsfehlern, erhöhtem Verbrauch oder sogar zu Gesundheitsrisiken führen. Daher ist es unerlässlich, vor jedem Kauf eine gründliche Überprüfung der wichtigsten Eigenschaften durchzuführen. Dieser Leitfaden zeigt Ihnen, wie Sie systematisch vorgehen – von der Prüfung der Dokumentation bis hin zu praktischen Tests in Ihrem eigenen Labor. Wir konzentrieren uns auf allgemeine Prinzipien, die branchenübergreifend gelten, egal ob Sie Tenside, Polyole, Additive für Beschichtungen oder Rohstoffe für die Bauchemie verarbeiten.

1. Anforderungen an die Spezifikation: Was das technische Datenblatt und das Sicherheitsdatenblatt enthalten müssen

Vor jedem Kauf eines chemischen Rohstoffs ist es entscheidend zu überprüfen, ob das technische Datenblatt (TDS) und das Sicherheitsdatenblatt (SDS) alle notwendigen Informationen für Ihre Anwendung enthalten. Das technische Datenblatt sollte grundlegende physikalisch-chemische Parameter angeben, wie Dichte, Viskosität, Schmelz- oder Siedepunkt, den Gehalt an Wirkstoff sowie mögliche Verunreinigungen. Wichtig sind auch Angaben zur Stabilität, Kompatibilität mit anderen Materialien und empfohlene Lagerbedingungen. Bei Tensiden sollten Sie beispielsweise Informationen zur Oberflächenspannung, Schaumbildung oder kritischen Mizellbildungskonzentration suchen, bei Polyolen hingegen die Hydroxylzahl oder den Wassergehalt.

Das Sicherheitsdatenblatt muss gemäß der REACH- und CLP/GHS-Verordnung erstellt sein und alle vorgeschriebenen Abschnitte (16 Sektionen) enthalten. Besondere Aufmerksamkeit sollten Sie den Abschnitten 2 (Gefahrenidentifikation), 8 (Expositionsgrenzwerte und Schutzausrüstung) und 11 (toxikologische Informationen) widmen. Bei Rohstoffen für Kosmetik oder Lebensmittel prüfen Sie, ob relevante Zertifizierungen (z. B. koscher, halal, GMO-frei) angegeben sind. Fehlen bestimmte Angaben oder sind sie unklar, zögern Sie nicht, den Lieferanten um Ergänzung zu bitten – ein seriöser Lieferant sollte in der Lage sein, vollständige Dokumentation ohne unnötige Verzögerung bereitzustellen.

2. Probenentnahme und deren Analyse: Schritt-für-Schritt-Anleitung

Fordern Sie vor einem Großvolumenkauf stets eine Probe des Rohstoffs an und führen Sie eigene Tests durch. Die Probenentnahme sollte repräsentativ sein – idealerweise aus verschiedenen Bereichen der Lieferung (obere, mittlere und untere Schicht) und in ausreichender Menge für wiederholte Analysen. Verwenden Sie für flüssige Rohstoffe saubere, trockene Behälter aus einem mit der jeweiligen Substanz kompatiblen Material (z. B. Glas für organische Lösungsmittel, Edelstahl für Säuren). Feste Stoffe sollten Sie mit einem Probenahmegerät entnehmen, das eine Kontamination minimiert.

Führen Sie die Probenanalyse gemäß den standardmäßigen Prüfverfahren durch, die für die jeweilige Rohstoffkategorie relevant sind. Messen Sie bei Tensiden den pH-Wert, den Gehalt an Wirkstoff durch Titration und die Oberflächenspannung. Bei Polyolen überprüfen Sie die Hydroxylzahl, die Viskosität und den Wassergehalt (z. B. durch Karl-Fischer-Titration). Für Additive in Beschichtungen prüfen Sie die Löslichkeit, die Stabilität bei verschiedenen Temperaturen und die Kompatibilität mit anderen Rezepturbestandteilen. Falls Sie kein eigenes Labor haben, nutzen Sie die Dienstleistungen akkreditierter Prüflabore – die Kosten für die Analyse lohnen sich im Vergleich zum Risiko minderwertiger Rohstoffe in der Produktion.

2. Probenahme und deren Analyse: Schritt-für-Schritt-Anleitung

Foto: Hans Reniers / Unsplash

3. Lieferantenkontrolle: Wie Sie Zuverlässigkeit und Zertifizierungen überprüfen

Die Zuverlässigkeit des Lieferanten ist genauso wichtig wie die Qualität des Rohstoffs selbst. Beginnen Sie mit der Überprüfung seiner Registrierung im REACH-System – alle in der EU hergestellten oder importierten Stoffe müssen ordnungsgemäß registriert sein. Fordern Sie vom Lieferanten eine Bestätigung der Konformität mit der CLP/GHS-Verordnung sowie Qualitätszertifikate an (z. B. ISO 9001 für das Qualitätsmanagementsystem). Bei Rohstoffen für spezielle Anwendungen (Kosmetik, Lebensmittelindustrie, Pharmazie) prüfen Sie, ob der Lieferant über relevante Zertifizierungen verfügt (z. B. GMP, HACCP).

Erkundigen Sie sich außerdem, wie lange der Lieferant bereits auf dem Markt tätig ist, welche Referenzen er hat und wie er mit Reklamationen umgeht. Ein qualitativ hochwertiger Lieferant sollte einen transparenten Prozess zur Bearbeitung von Beschwerden haben und in der Lage sein, Muster aus verschiedenen Chargen zum Vergleich bereitzustellen. Besuchen Sie, wenn möglich, seine Produktions- oder Lagerräume – die Lagerbedingungen (Temperatur, Feuchtigkeit, Trennung inkompatibler Stoffe) können die Qualität des Rohstoffs erheblich beeinflussen. Vergessen Sie auch nicht, die finanzielle Stabilität des Lieferanten zu überprüfen, um das Risiko von Lieferunterbrechungen zu vermeiden.

4. Praktische Tests in der Produktion: Wie Sie die Kompatibilität und Leistung des Rohstoffs überprüfen

Auch wenn Laboranalysen die Übereinstimmung des Rohstoffs mit dem technischen Datenblatt bestätigen, sollte der abschließende Test direkt im Produktionsprozess erfolgen. Bereiten Sie eine kleine Testcharge des Produkts mit dem neuen Rohstoff vor und überwachen Sie die wichtigsten Leistungsparameter. Bei Reinigungsmitteln kann dies die Wirksamkeit bei der Schmutzentfernung sein, bei Beschichtungsstoffen die Deckkraft oder Witterungsbeständigkeit, bei Kunststoffen dann die mechanischen Eigenschaften oder thermische Stabilität.

Achten Sie während der Tests auch auf praktische Aspekte wie die Verarbeitbarkeit des Rohstoffs (z. B. Viskosität der Mischung, Rührdauer, Schaumbildung) oder die Stabilität während der Lagerung des fertigen Produkts. Führen Sie, wenn möglich, beschleunigte Alterungstests der Proben durch (z. B. bei erhöhter Temperatur oder Feuchtigkeit) und beobachten Sie Veränderungen der Eigenschaften. Bei Abweichungen von den erwarteten Ergebnissen konsultieren Sie das Problem mit dem Lieferanten – oft kann es sich um eine geringfügige Anpassung der Rezeptur oder der Verarbeitungsbedingungen handeln, die die gewünschte Qualität sicherstellt.

4. Praktische Tests in der Produktion: Überprüfung der Kompatibilität und Leistung des Rohstoffs

Foto: Trnava University / Unsplash

5. Bewertung der Stabilität und Lagerfähigkeit des Rohstoffs

Die Stabilität eines chemischen Rohstoffs ist entscheidend für die Erhaltung seiner Eigenschaften während der gesamten Lagerdauer und der anschließenden Verarbeitung. Vor dem Kauf sollten Sie prüfen, ob der Lieferant empfohlene Lagerbedingungen angibt, wie Temperatur, Feuchtigkeit oder Lichteinwirkung. Einige Tenside oder Polyole können beispielsweise bei Temperaturen über 30 °C degradieren, was zum Verlust der Wirksamkeit oder zur Bildung unerwünschter Nebenprodukte führt. Überprüfen Sie außerdem, ob der Rohstoff mit gängigen Verpackungsmaterialien (z. B. Polyethylen, Edelstahl) kompatibel ist, um chemische Reaktionen oder Kontaminationen zu vermeiden.

Ein wichtiger Indikator ist auch die Lagerfähigkeitsdauer, die der Lieferant garantieren sollte. Bei Rohstoffen mit begrenzter Stabilität (z. B. Peroxide, bestimmte Additive für Beschichtungen) fordern Sie ein Analysezertifikat (CoA) mit Herstellungsdatum und Verfallsdatum an. Für die Langzeitlagerung sollten Sie regelmäßige Tests wichtiger Parameter wie pH-Wert, Viskosität oder Gehalt des Wirkstoffs in Betracht ziehen. Wenn Sie den Rohstoff in großen Mengen lagern, prüfen Sie, ob der Lieferant Beratung zur Optimierung der Lagerbedingungen anbietet, um das Risiko einer Wertminderung zu minimieren.

6. Bewertung der Wirtschaftlichkeit: Preis vs. Leistung

Bei der Auswahl eines chemischen Rohstoffs reicht es nicht aus, nur den Anschaffungspreis zu bewerten – entscheidend ist die Wirtschaftlichkeit im Kontext des gesamten Produktionsprozesses. Beginnen Sie mit dem Vergleich des Preises pro Einheit des Wirkstoffs (z. B. pro Kilogramm aktiver Komponente in Tensiden) anstelle des Preises pro Kilogramm Rohstoff. Günstigere Rohstoffe mit einer geringeren Konzentration des Wirkstoffs können letztendlich die Kosten für Transport, Lagerung oder Verarbeitung erhöhen.

Berücksichtigen Sie außerdem den Einfluss des Rohstoffs auf den Produktionsprozess: Eine höhere Reinheit oder bessere Dispergierbarkeit kann den Energieverbrauch senken, die Mischzeit verkürzen oder den Bedarf an zusätzlichen Additiven eliminieren. Bei Additiven für Kunststoffe oder Beschichtungen prüfen Sie beispielsweise, ob eine höhere Rohstoffqualität eine Reduzierung der Dosierung bei gleichbleibenden Eigenschaften des Endprodukts ermöglicht. Fordern Sie stets Muster vom Lieferanten für praktische Tests an und vergleichen Sie die Leistung mit den aktuell verwendeten Rohstoffen. Die wirtschaftliche Effizienz lässt sich auch durch Pilotchargen in der Produktion überprüfen.

7. Reklamationsbearbeitung und technische Unterstützung des Lieferanten

Auch bei sorgfältiger Auswahl des Rohstoffs kann es zu Abweichungen von der Spezifikation oder Problemen in der Produktion kommen. Daher ist es entscheidend, dass der Lieferant eine schnelle und fachkundige technische Unterstützung bietet. Vor dem Kauf sollten Sie prüfen, wie der Lieferant Reklamationen bearbeitet – ob er ein festgelegtes Verfahren für die Probenahme, Analyse und Bewertung von Abweichungen hat. Ideal ist, wenn er die Möglichkeit unabhängiger Tests in seinem Labor oder in Zusammenarbeit mit einer akkreditierten Einrichtung anbietet.

Wichtig ist auch die Verfügbarkeit technischer Spezialisten, die bei der Prozessoptimierung oder beim Ersatz des Rohstoffs im Falle von Lieferengpässen beraten können. Erkundigen Sie sich, ob der Lieferant Schulungen für Ihre Mitarbeiter anbietet, beispielsweise zum sicheren Umgang mit dem Rohstoff oder zur Interpretation von Sicherheitsdatenblättern. Bei internationalen Lieferanten sollten Sie prüfen, ob die Unterstützung auf Deutsch verfügbar ist und wie die durchschnittliche Reaktionszeit auf Anfragen ist. Eine hochwertige technische Unterstützung kann das Risiko von Produktionsstillständen und die Kosten durch minderwertige Rohstoffe deutlich reduzieren.

Haben Sie Zweifel an der Qualität der Rohstoffe?

Jeder chemische Rohstoff erfordert einen individuellen Ansatz. Die GCG Group stellt zu jedem Produkt detaillierte technische und Sicherheitsdatenblätter bereit, und unsere Experten beraten Sie gerne bei der Auswahl oder Überprüfung spezifischer Parameter für Ihre Anwendung. Kontaktieren Sie uns – oder sehen Sie sich direkt den Katalog mit über 1 300 Produkten an.

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