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REACH, CLP und Sicherheitsdatenblätter in der Papierindustrie: Wie Sie Risiken chemischer Rohstoffe richtig managen
Gesetzgebung 5. 8. 2026 Redakce GCG Chemicals

REACH, CLP und Sicherheitsdatenblätter in der Papierindustrie: Wie Sie Risiken chemischer Rohstoffe richtig managen

Die Papierindustrie verarbeitet Dutzende von Chemikalien, von Bleichmitteln bis zu Additiven für die Oberflächenbehandlung. Wie stellen Sie die Einhaltung der REACH- und CLP-Vorschriften sicher, lesen Sicherheitsdatenblätter korrekt und minimieren Risiken bei der Handhabung? Ein praktischer Leitfaden für Zellstoff- und Papierhersteller.

REACH, CLP und Sicherheitsdatenblätter in der Papierindustrie: Richtiges Management von Risiken chemischer Rohstoffe

Foto: Jakub Żerdzicki / Unsplash

Die Herstellung von Zellstoff und Papier zählt zu den Branchen mit hohem Verbrauch an chemischen Rohstoffen – von Wasserstoffperoxid und Natriumhydroxid bis hin zu speziellen Additiven zur Verbesserung der Festigkeit oder Feuchtigkeitsbeständigkeit. Jede dieser Substanzen unterliegt strengen gesetzlichen Anforderungen, insbesondere den Verordnungen REACH und CLP, die Pflichten in den Bereichen Registrierung, Klassifizierung und Kennzeichnung festlegen. Ohne ein korrektes Verständnis der Sicherheitsdatenblätter (SDS) und der damit verbundenen Dokumentation drohen nicht nur Sanktionen seitens der Aufsichtsbehörden, sondern auch das Risiko einer Gefährdung der Gesundheit der Mitarbeiter oder einer Schädigung der Umwelt. Wie kann man sich in dieser Thematik zurechtfinden und worauf sollte man bei der Auswahl der Rohstoffe konkret achten?

REACH und seine Auswirkungen auf die Papierindustrie: Registrierung und Pflichten

In der Papierindustrie wird täglich mit Dutzenden von Chemikalien gearbeitet – von Bleichmitteln und Koagulanzien bis hin zu Additiven für die Papieroberflächenbehandlung. Die REACH-Verordnung (Registration, Evaluation, Authorisation and Restriction of Chemicals) gilt für alle Stoffe, die in der EU in Mengen von über einer Tonne pro Jahr hergestellt oder importiert werden, und beeinflusst direkt die Art und Weise, wie Zellstoff- und Papierhersteller mit Rohstoffen umgehen. Eine zentrale Pflicht ist die Registrierung der Stoffe bei der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA), die detaillierte Daten zu Eigenschaften, Verwendung und Risiken erfordert. Ohne gültige Registrierung darf ein Stoff nicht legal auf den Markt gebracht werden, was auch viele Hilfschemikalien betrifft, die bei der Papierherstellung eingesetzt werden, wie Retentionsmittel, Biozide oder Weichmacher.

Für Papierunternehmen ist es entscheidend, zu überwachen, ob Lieferanten die REACH-Anforderungen erfüllen, insbesondere bei Stoffen, die auf der Kandidatenliste (SVHC – Substances of Very High Concern) stehen. Diese Stoffe unterliegen strengeren Regeln, einschließlich der Pflicht, Kunden über deren Anwesenheit in einer Konzentration von über 0,1 % des Gewichts zu informieren. Papierhersteller müssen außerdem sicherstellen, dass ihre eigenen Gemische und Zubereitungen nicht gegen die REACH-Beschränkungen verstoßen, beispielsweise bei bestimmten Phthalaten oder perfluorierten Verbindungen. Die Einhaltung dieser Vorschriften ist nicht nur eine gesetzliche Notwendigkeit, sondern auch eine Garantie für die Sicherheit der Mitarbeiter und der Umwelt.

Klassifizierung und Kennzeichnung nach CLP/GHS: Wie Sie die Etiketten von Rohstoffen lesen

Die CLP-Verordnung (Classification, Labelling and Packaging) harmonisiert die Klassifizierung, Kennzeichnung und Verpackung von chemischen Stoffen und Gemischen in der EU gemäß dem weltweit anerkannten GHS-System (Globally Harmonized System). Für die Papierindustrie bedeutet dies, dass jeder Rohstoff – sei es Natriumhydroxid, Wasserstoffperoxid oder synthetische Polymere – korrekt mit Gefahrenpiktogrammen, Signalwörtern („Gefahr“ oder „Achtung“) und standardisierten Gefahrenhinweisen (H-Sätze) sowie Sicherheitshinweisen (P-Sätze) gekennzeichnet sein muss. Diese Informationen sind entscheidend für die sichere Handhabung, Lagerung und Verwendung von Chemikalien in der Produktion.

Beim Kauf von Rohstoffen ist es notwendig zu überprüfen, ob der Lieferant die CLP-Anforderungen einhält, insbesondere bei Gemischen, bei denen die Klassifizierung komplexer sein kann. Beispielsweise können einige Biozide oder Tenside als ätzend, giftig für Wasserorganismen oder sensibilisierend eingestuft werden. Eine falsche Kennzeichnung kann zu Fehlern bei der Handhabung, einem erhöhten Verletzungsrisiko oder ökologischen Schäden führen. Papierunternehmen sollten ihre Mitarbeiter in der Interpretation der CLP-Kennzeichnung schulen und sicherstellen, dass alle Rohstoffe entsprechend ihren gefährlichen Eigenschaften gelagert werden – beispielsweise getrennt von brennbaren Stoffen oder in gekühlten Räumen, wenn dies die Stabilität des Produkts erfordert.

Klassifizierung und Kennzeichnung nach CLP/GHS: Wie man Etiketten von Rohstoffen liest

Foto: Jakub Żerdzicki / Unsplash

Sicherheitsdatenblätter (SDS): Richtige Nutzung in der Produktion

Das Sicherheitsdatenblatt (SDS – Safety Data Sheet) ist das grundlegende Dokument für das Risikomanagement im Zusammenhang mit chemischen Rohstoffen in der Papierindustrie. Es muss mit jeder gefährlichen Substanz oder Mischung geliefert werden und enthält 16 Pflichtabschnitte, die physikalisch-chemische Eigenschaften, Gesundheits- und Umweltrisiken, Anweisungen für Erste Hilfe, Maßnahmen bei Austritt oder Brand sowie Informationen zur Entsorgung detailliert beschreiben. Für Papierhersteller ist das SDS ein unverzichtbares Instrument zur Planung sicherer Produktionsprozesse, Schulung von Mitarbeitern und Erstellung interner Vorschriften.

In der Praxis sollte das SDS allen Mitarbeitern, die mit dem Rohstoff in Kontakt kommen, zugänglich sein und regelmäßig gemäß Änderungen in der Gesetzgebung oder der Produktzusammensetzung aktualisiert werden. Beispielsweise muss das SDS für Bleichmittel wie Natriumhypochlorit Informationen über die Reaktivität mit organischen Materialien oder das Risiko der Freisetzung von Chlor enthalten. Papierunternehmen sollten SDS in ihre Arbeitsschutzmanagementsysteme (AMS) integrieren und es als Grundlage für die Risikobewertung am Arbeitsplatz nutzen. Wichtig ist auch, zu überprüfen, ob Lieferanten das SDS in deutscher Sprache bereitstellen und ob die Angaben mit der Kennzeichnung auf der Verpackung gemäß CLP übereinstimmen.

Praktische Schritte zur Einhaltung der Rechtsvorschriften und Minimierung von Risiken

Um die mit chemischen Rohstoffen verbundenen Risiken effektiv zu managen, sollten Papierunternehmen mehrere zentrale Maßnahmen einführen. Der erste Schritt ist die Einrichtung eines internen Systems für das Chemikalienmanagement, das die Erfassung aller verwendeten Rohstoffe, ihrer Sicherheitsdatenblätter und Klassifizierungen gemäß CLP umfasst. Dieses System sollte eine schnelle Informationssuche und die Verfolgung von Aktualisierungen durch die Lieferanten ermöglichen. Darüber hinaus ist es notwendig, Mitarbeiter regelmäßig in der sicheren Handhabung, Lagerung und Entsorgung von Chemikalien zu schulen, wobei die Schulungen auf den Angaben im SDS und der CLP-Kennzeichnung basieren sollten.

Ein wichtiger Aspekt ist auch die Zusammenarbeit mit Lieferanten, die die gesetzlichen Anforderungen einhalten. Vor dem Kauf von Rohstoffen ist es ratsam zu überprüfen, ob die Substanzen gemäß REACH registriert sind, ob sie ein gültiges SDS besitzen und ob sie korrekt nach CLP gekennzeichnet sind. Bei Zweifeln kann die ECHA-Datenbank genutzt oder Experten für chemische Sicherheit konsultiert werden. Um Umweltgefahren zu minimieren, sollten Rohstoffe mit geringerem Einfluss auf die Umwelt bevorzugt werden, beispielsweise biologisch abbaubare Tenside oder chlorfreie Bleichmittel. Schließlich sollten Papierunternehmen ihre Prozesse und Dokumentation regelmäßig auditieren, um die vollständige Einhaltung der Gesetzgebung und die Bereitschaft für mögliche Kontrollen durch Aufsichtsbehörden sicherzustellen.

Praktische Schritte zur Einhaltung der Gesetzgebung und Minimierung von Risiken

Foto: Pavel Neznanov / Unsplash

Spezifische REACH-Herausforderungen in der Papierindustrie: Vom Zellstoff zum Endprodukt

Die Papierindustrie verarbeitet ein breites Spektrum chemischer Rohstoffe – von Bleichmitteln und Koagulanzien bei der Zellstoffherstellung bis hin zu Additiven für die Papieroberflächenbehandlung. REACH gilt für diese Stoffe ab dem Zeitpunkt ihrer Registrierung, wobei die zentrale Herausforderung in der Überwachung der gesamten Lieferkette besteht. Zellstoffhersteller müssen beispielsweise prüfen, ob Lieferanten von Aluminiumsulfat oder Wasserstoffperoxid die Registrierungspflichten erfüllen, andernfalls droht eine Unterbrechung der Lieferungen. Ebenso ist es notwendig zu kontrollieren, ob die in der Papierrecycling verwendeten Stoffe (z. B. Deinking-Mittel) nicht auf der Liste der besonders besorgniserregenden Stoffe (SVHC) stehen.

Für Papierfabriken ist auch die Bewertung der Exposition von Mitarbeitern während Prozessen wie Bleichen, Mahlen oder Trocknen entscheidend. REACH verlangt, dass Hersteller und Verarbeiter eine Risikobewertung für alle Stoffe in Mengen von über einer Tonne pro Jahr durchführen. Dies umfasst die Messung von Konzentrationen in der Arbeitsplatzluft, die Analyse der Hautexposition und die Bewertung langfristiger Auswirkungen. In der Praxis bedeutet dies eine enge Zusammenarbeit mit Rohstofflieferanten, die aktuelle Sicherheitsdatenblätter und Expositionsdaten bereitstellen müssen. Ohne diese Informationen können die REACH-Pflichten nicht erfüllt werden, und es drohen Sanktionen durch die Aufsichtsbehörden.

CLP und Kennzeichnung von Verpackungen: Wie Fehler bei der Handhabung von Rohstoffen vermieden werden

Die Klassifizierung und Kennzeichnung gemäß der CLP-Verordnung (Classification, Labelling and Packaging) ist für die Papierindustrie von entscheidender Bedeutung, da viele der verwendeten Stoffe in Kategorien fallen, die erhöhte Vorsicht erfordern. Beispielsweise wird Natriumhydroxid, das bei der Zellstoffherstellung verwendet wird, als ätzend (Skin Corr. 1A) eingestuft und muss mit dem Gefahrenpiktogramm für korrosive Wirkung sowie mit Anweisungen für den sicheren Umgang gekennzeichnet werden. Ebenso können Stoffe wie Natriumperchlorat oder bestimmte optische Aufheller als gewässergefährdend (Aquatic Acute 1) eingestuft werden, was eine entsprechende Kennzeichnung und Lagerung erfordert.

Fehler bei der Kennzeichnung können zu schweren Sicherheitsvorfällen führen, insbesondere bei der Handhabung großer Rohstoffmengen. Beispielsweise kann ein falsch gekennzeichneter Behälter mit Schwefelsäure Verätzungen oder Reaktionen mit anderen Chemikalien verursachen. Papierfabriken sollten daher ein System der doppelten Etikettenkontrolle einführen – sowohl beim Wareneingang von Lieferanten als auch vor der Verwendung in der Produktion. Wichtig ist auch die Schulung der Mitarbeiter, damit sie die Bedeutung der Piktogramme sowie der standardisierten H-Sätze (Gefahrenhinweise) und P-Sätze (Sicherheitshinweise) verstehen. Die CLP-Verordnung verlangt zudem, dass alle Etiketten in der Landessprache des Landes verfasst sind, in dem der Stoff verwendet wird, was in der Tschechischen Republik Tschechisch bedeutet.

Sicherheitsdatenblätter (SDS) als Instrument für das Risikomanagement: Praktische Tipps für Papierfabriken

Sicherheitsdatenblätter (SDS) sind für die Papierindustrie ein zentrales Dokument, das Informationen über physikalisch-chemische Eigenschaften von Rohstoffen, deren Toxizität, Ökotoxizität und Maßnahmen für den sicheren Umgang enthält. In Papierfabriken werden SDS häufig bei der Schulung von Mitarbeitern, der Lagerplanung oder der Risikobewertung eingesetzt. Beispielsweise gibt Abschnitt 8 (Begrenzung der Exposition und persönliche Schutzausrüstung) maximale zulässige Konzentrationen (OEL) für Stoffe wie Formaldehyd oder Schwefelwasserstoff an, die bei der Zellstoffherstellung freigesetzt werden können. Diese Werte müssen mit den Messergebnissen am Arbeitsplatz verglichen und die Schutzmaßnahmen entsprechend angepasst werden.

Für die effektive Nutzung von SDS ist es wichtig, ein System für deren Aktualisierung und Verfügbarkeit einzuführen. Papierfabriken sollten eine zentrale Datenbank aller verwendeten Rohstoffe führen, in der die aktuellen Versionen der SDS gespeichert sind. Es wird empfohlen, regelmäßig zu überprüfen, ob Lieferanten die Klassifizierung ihrer Produkte aktualisiert haben (z. B. aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse). In der Praxis bedeutet dies, einen Prozess einzurichten, bei dem bei jeder Lieferung eines Rohstoffs überprüft wird, ob das SDS noch gültig ist. Darüber hinaus ist es sinnvoll, SDS in interne Vorschriften zu integrieren, beispielsweise in Arbeitsanweisungen für den Umgang mit gefährlichen Stoffen oder in Notfallpläne.

Haben Sie Fragen zur Sicherheit von Rohstoffen?

Zu jedem chemischen Rohstoff liefern wir vollständige Sicherheits- und technische Dokumentation gemäß der geltenden Gesetzgebung. Unsere Experten unterstützen Sie bei der Interpretation von Sicherheitsdatenblättern, der Auswahl geeigneter Alternativen oder der Optimierung von Prozessen im Hinblick auf Sicherheit und Effizienz. Kontaktieren Sie uns – oder sehen Sie sich direkt unseren Katalog mit über 1 300 Produkten an.

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